Die fabelhafte Welt der Zwiespältigkeit – chronische Persönlichkeitsspaltung, die Gefahr lebt in Dir

Die Vorstellung, ein Leben neben dem anderen zu führen, ein Leben ganz anders als das Andere. Das absolute Gegenteil, von dem was man hauptsächlich lebt. Eine interessante Vorstellung.

In dem einem Leben könnte man all den Pflichten nachgehen, die einem vorgesetzt werden und in dem anderen gegen sämtliche Regeln verstoßen, wenn man dort überhaupt Regeln gibt.

Ein Wort, das in vielen Köpfen zu äußerst phantasiereichen Bedeutungen kommen kann. Mal ist eine Zwiespältigkeit gerissen von zweierlei Gefühlen, die Medizin spricht hier von Ambivalenz. Mal ist sie eine ganz neue Identität und geht in Richtung Persönlichkeitsspaltung.

Das Jekyll & Hyde Prinzip. Das Ausbrechen aus der eigenen Persönlichkeit, vielleicht um besser dazustehen, sich besser zu fühlen, Anerkennung zu erhalten, ist tief in unserem Urinstinkten verankert. Als Selbstschutz oder als persönlicher Rückzugsort. Doch das Maß der Dinge ist entscheidend. Eine Überlastung, eine Überreizung dieses Selbstschutzes kann sehr große gesundheitliche und soziale Folgen mit sich bringen.

Persönlichkeitsstörung, die in sich selbst noch unterteilt ist u.a. in; Schizophrenie, Pseudologia Phantastica, dissoziale Persönlichkeitsstörung und viele andere, psychosomatische chronische Veränderungen können dein Leben beeinflussen oder gar übernehmen.

Du befindest dich tagtäglich in ständiger Angst, Trauer, Unsicherheit, Unvollkommenheit und einer Flut von unbefriedigten Gefühlen und Gedanken. Du stehst morgens mit Kopfschmerzen auf, weil du wieder einmal kaum geschlafen hast. Diese ständigen Gedanken im Kopf, die dich nicht in Ruhe lassen. Immer auf der Hut zu sein, nicht zu viel von sich Preis zu geben. Die ständige Angst im Nacken erwischt zu werden. Du versuchst deinen Tag so gut es geht zu planen, kommst aber in Schwierigkeiten, wenn mal etwas aus der Reihe tanzt. Jede Veränderung bedeutet für dich neue Risiken, neue Gefahren. Im Gegensatz dazu können Verpflichtungen, die du dir selbst machst oder die dir von anderen aufgelegt werden zu inneren Blockaden führen, die dich weigern diese Pflichten zu befolgen. Dir wird übel bei dem Gedanken daran, jemand könnte dich manipulieren und beeinflussen.

Du kannst kaum lange Beziehungen eingehen, hast kaum Freunde um dich, jeder neue Mensch wird sehr kritisch betrachtet. Jeder Mensch, der sich von dir entfernt, kann eine Erleichterung sein oder aber weitere Angst, weil sie eventuell Wissen von dir mitnehmen und dir damit schaden könnten.

Du verlierst von Tag zu Tag den Mut so weiter zu machen. Entweder kommt der Gedanke, für immer dem Leben zu entfliehen oder es kommt endlich der Tag, an dem du dich dieser krankhaften Situation stellst und dich auf dem Weg der Besserung machst.

Beleuchten wir doch mal die Veränderungen im Inneren eines Menschen, wenn die Überlastung der psychologischen Waage nicht mehr plan liegt.

Dafür wenden wir uns erst einmal den Grundbedürfnissen der Menschen zu, aufgestellt vom Urvater der Psychologie Abraham Harold Machlow.

Hierzu gehören die:

  1. Physiologischen Bedürfnisse, die Bedürfnisse, die für das eigentliche Leben wichtig sind.Nahrung, Ruhephasen, Atmung, Fortpflanzung
  2. Sicherheitsbedürfnissehier ist nicht nur die materielle Grundsicherung gemeint, sondern auch die Sicherheit innerhalb der Familie, Arbeit, Wohnung, Gesundheit sind zusätzliche Punkte des Sicherheitsbedürfnis
  3. Soziale Bedürfnisseder Drang nach sozialen Beziehungen, Anschlussmotivation, hierzu gehört das Bedürfnis nachFamilie, Freundschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Zugehörigkeitsgefühl, Kommunikation, sozialer Austausch, Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung, Beziehung, Zuneigung, Liebe und sexuelle Intimität
  4. Individuelle BedürfnisseZu den Individualbedürfnissen werden u. a.: Vertrauen, Wertschätzung, Selbstbestätigung, Erfolg, Freiheit und Unabhängigkeit gezählt. Hier kann man in zwei Unterkategorien unterscheiden:- dem Wunsch nach (mentaler/körperlicher) Stärke, Erfolg, Unabhängigkeit und Freiheit- dem Wunsch nach Ansehen, Prestige, Wertschätzung, Achtung und Wichtigkeit. Also eine passive Komponente unserer Selbstachtung, die nur von anderen Menschen für uns erfüllt werden kann
  5. SelbstverwirklichungTalente, Potenziale und Kreativität werden entfaltet, Persönlichkeit und Fähigkeiten weiterentwickelt und das eigenen Leben gestalten und ihm einen Sinn geben.um nur ein paar davon zu nennen.

All diese Bedürfnisse immer und immer wieder zu stillen ist sehr schwierig bis gar unmöglich. Das Rauf und Runter, die Berg- und Talfahrt ist genau das, was unser Leben ausmacht. So lernen wir Widerstand kennen um vor weiteren Hindernissen gewappnet zu sein. Wichtig ist aber, dass wir nach jedem Hindernis die Möglichkeit bekommen aufzuatmen, Ruhe zu finden und auch das Erlernte zu verinnerlichen. Ist die Waage zerbrochen und man befindet sich immer wieder auf der Talfahrt passiert folgendes:

In Gefahren- oder unklaren Situationen springt das Alarmsystem im Gehirn an. Der Körper schaltet alle unnötigen Prozesse ab und kümmert sich ausschließlich um den Notzustand. Bleibt dieser Notzustand länger als geplant oder bleibt die Ruhephase gar aus, verfestigt sich dieser immer tiefer und tiefer. Die neuropsychologischen präzisen Ereignisse im Kopf erspare ich euch. Es gibt dazu tolle Ärzte, Bücher und Vorträge. So oder so ähnlich kann dir das Gehirn auch vorgaukeln, dass es mehrere Personen in deinem tiefen Inneren gibt, die dein Leben beeinflussen. Es können Persönlichkeiten mit besonderen Fähigkeiten sein oder Persönlichkeiten ohne Strenge und Gewissen. Sie leben in dir. Es heißt, Menschen mit mehreren Persönlichkeiten versuchen ihr wahres „Ich“ zu beschützen und das Alarmsystem wurde durch Ereignisse in der Vergangenheit zum chronischen Schutzpatron erweitert.

In der Regel geschehen diese Ereignisse bereits in der Kindheit. Empfängst du als Kind nicht ausreichend oder auch zu viel der nötigen Bedürfnisse entwickelst du Strategien, um dennoch in einen waagerechten Glückszustand zu kommen. Meist sind es Strategien, die damit verbunden sind seine Mitmenschen zu manipulieren.

Ein Beispiel.

In der Kindheit bekommst du nur Anerkennung, Liebe und Fürsorge, wenn du Krank bist,. Es verfestigt sich so dermaßen im Kopf, dass du unbewusst (oder bewusst) Krankheiten entwickelst um Anerkennung, Liebe und Fürsorge zu erhalten. In Fachkreisen nennt sich dieses Lernen „instrumentelle Konditionierung“. Das Verhalten wird als Instrument eingesetzt, um ein Ziel zu erreichen.

Erhältst du in der Kindheit einen Überschuss an Liebe, Fürsorge und übertriebener Anerkennung kann dein Bedürfnis nach Selbstverwirklichung nicht gestillt werden. Dennoch versucht dein Körper immer wieder einen Ausgleich zu finden. Dies kann durch Entstehung einer Persönlichkeitsspaltung gezeigt werden.

Kurz: Erlebst du viel negatives, ist dein inneres Bedürfnis auf der Suche nach viel positivem. Hast du einen Überschuss an übertriebener positiver Erfahrung sucht die Waage nach negativem.

Was ist aber das Schlimme an einer Persönlichkeitsstörung oder einer Persönlichkeitsspaltung?

Im Prinzip nichts. Solange deine Umwelt und du du selbst damit klar kommen. In der Regel bemerkst du es selbst auch nicht, sondern wirst durch deine Umgebung darauf hingewiesen. Meist von einem Menschen, der dir sehr nahe kommt. Vielleicht ein Beziehungspartner oder ein Freund. Die fabelhafte Welt der Zwiespältigkeit ist vielfältig. Du kannst mit Charme und Humor deine Ziele erreichen oder mit Hinterlist und Gefühlskälte. Aber Achtung, nicht jede Manipulationstechnik ist automatisch ein Zeichen für Persönlichkeitsspaltung. Hier ist zu beachten, sobald du in deinem Tun keine Reue mehr spürst, dir Gefühle anderer bei dem Verfolgen deiner Ziele egal sind, könnte es in der Tat in diese Richtung gehen.

Ein Beispiel zurück zu deiner in der Kindheit erlernten Strategie. Du bist krank und bekommst Liebe, die du in sonst keiner Situation erhältst. Diese entwickelte Strategie wirst du auch im erwachsenem Alter anwenden. Vielleicht bei deinem Lebenspartner oder anderen Sozialpartnern. Anfangs wirst du damit vermutlich auch Erfolg haben, bis dein Partner sich von dir abwendet, sich deiner Manipulation widersetzt und dir somit nicht das gibt, worauf du gespielt hast. Innerlich erfährst du hier vielleicht genau das, was du in Kindheit bereits in anderen Situationen erleben musstest.

Abneigung, Wertverlust, alleine sein.

Du hast nun zwei Möglichkeiten. Entweder du suchst dir ein anderes Opfer und gehst. Menschen mit Persönlichkeitsspaltung werden oft als beziehungsunfähig betitelt, dies könnte ein Grund dafür sein. Oder die zweite Möglichkeit: du bist bereit für eine Veränderung an dir selbst. Dies alleine anzugehen ist möglich, aber mit Hilfe eines psychologisch geschulten Menschen, der mit dir im Falle eines Falles ein Sicherheitspaket aufbaut ist es sicherlich einfacher.

Persönlichkeitsspaltung ist nichts schlimmes, sofern du niemanden damit verletzt. Bist du aber in der Situation, in dem deine Mitmenschen sich von dir abwenden und du alleine nicht mehr weiter klar kommst, weil deine Strategien nicht mehr funktionieren, dann ist hier der Punkt erreicht, an dem du deine Strategie ändern solltest. Und du kannst es, da bin ich fest davon überzeugt. Nur benötigst du ein Sicherheitsnetz, vielleicht mit einem Psychologen und/oder einem Partner, der mit dir diesen sicher schwierigen Weg geht.

Was kann dir und deiner Umwelt helfen?

Die wohl schwierigste Hürde ist die Selbsterkenntnis. Für einen psychisch kranken Menschen ist es schwer zu erkennen, dass er krank ist. Meist werden sie durch ihre Umgebung darauf hingewiesen. Dann kommt automatisch die nächste Hürde, die Schuldzuweisung. Es ist nicht unüblich, dass die kranke Person anderen die Schuld zuweist. Sollten die beiden Hürden überwunden sein, geht es in die nächste Phase – das langsame Öffnen der inneren Beweggründe. Ein guter Therapeut versteht dich in deiner Denk – und Handelsweise. Er muss es nicht gutheißen aber er sollte dieses Verständnis dazu nutzen, einen positiven Draht zu dir zu spannen.

Ist die Verbindung aufgebaut und gefestigt, wird der Therapeut an deinen Strategien arbeiten und dir eine Alternative anbieten, die stärker und nachhaltiger ist, als die, die du jahrelang aufgebaut hast.

Last but not least kann eine vertraute Person aus dem näherem Umfeld sehr hilfreich sein. Diese Person sollte früher oder später ein Teil deiner Therapie sein. Sie sollte dich stützen, so weit es geht und die Therapiepraktiken deines Therapeuten auch Zuhause umsetzen.

Man bleibt solange Charakterdarsteller, bis man die eigene Persönlichkeit gefunden hat.“

Michael Marie Jung

Euch allen viel Erfolg bei all euren Wegen.

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