Vater vom Teenager – die Pubertät mit 40

Teenager

In der Zeit der Adoleszenz, also in der Zeit zwischen der späten Kindheit und dem Erwachsen werden spukt die Pupertas (Umgangssprachlich auch die Pubertät) ihr Unwesen. Kinder werden zu kleinen Monstern, die den Eltern so mächtig auf den Sack gehen. Gestern noch bei jeder Bitte mit entzücken sofort bejaht und über Nacht das böse Unwort „Nein“ neu entdeckt.

Ich hätte mich nicht so leichtsinnig darauf einlassen dürfen, ich hätte es besser wissen müssen. Bereits während der Geburt hatte mein Sohn seiner Mutter vermittelt, sie solle mir doch bitte ins Ohr schreien, damit gleich klar gestellt wird, wenn er da ist, herrschen hier andere Sitten. 

Mit welchen Mittel er sie dazu gebracht hat, er hatte damals schon mächtig Erfolg damit. Resultat; kurz vorm Platzen des Trommelfells, mittelschwere Betäubung, Schwindel und Taubheitsgefühle von Ohr bis zum kleinen Zeh. Gäbe es die Möglichkeit, hätte ich ihn gar nicht erst rausholen lassen, Korken drauf, vielleicht mit Bauschaum verdichtet – Fertig! Ich war jung, unerfahren und wusste bei Weitem nicht, was ich mir da antue. Also raus damit und abwarten, vielleicht habe ich noch die Chance ihm klar zu machen, dass ich hier sein neuer Boss sein könnte. Doch dann sah er mich mit seinen kugelrunden, hellblauen Augen an, schmiegte sich an mich und ich schmolz dahin. So zogen sich die Jahre. Endlich habe ich meine Möglichkeiten gefunden ihn zurecht zu biegen und mich gelegentlich daran zu erinnern, welch betäubenden Ohrenschmerzen er mir bereits bei seiner Ankunft schenkte. Leider habe ich die Rechnung ohne ihn vollzogen. Es begann ein Kampf unter Rivalen, der sich gewaschen hat. Angefangen vom Pampers wechseln, bei dem er mir, kurz vor der neuen, frischen Windel ein feucht fröhliches Geschenk hinterlassen hat. Der braune leicht flüssige Berg entwickelte sich recht schnell zu einem Lavastrom der „inneren Gefühle“. Gefolgt von einer Wasserfontäne. Punktlandung. Meine Rache folgte. Sein erster Schnee. Er fing an zu krabbeln und genau das nutze ich aus. Seine Krabbelversuche bestanden darin, dass er wenige Meter krabbelte und dann mit dem Gesicht auf den Boden knallte und wartete, bis ihn jemand in Startposition zurücklegte. Das mach mal im ca. 30 cm tiefen Schnee. Hier überlasse ich die Geschichte mal eurer Fantasie. 

Nun ist dieses Geschöpf 14 Jahre alt und ich ein alter Sack, kurz zur Erinnerung, über 40, na und?

Meine Ideen der Rache finden immer weniger Wurzeln und dann kommt jetzt noch das Ding mit der Pubertät. Ich bin fest davon überzeugt, dass er hier auch ganz schön seinen Einfluss laufen lassen hat. Wenn ich mich an meine Zeit des „Erwachsen-werden“ erinnere, kommen mir da wenige Gedanken, bezüglich einer geistigen Abstinenz, in den Sinn. Meiner Meinung nach, war ich immer ein sehr lieber, zuvorkommender und freundlicher junger Mann, der Respekt gegenüber seinen Eltern hatte und nichts aber auch gaaaarnichts in Frage gestellt hat, was gegen die Moral der Gesellschaft verstieß.  Nun ist er da, und er hat sich Unterstützung besorgt. Die Kinder meiner jetzigen Partnerin. Uff… auch die beiden mitten in der Früherkennung ihrer geistigen und körperlichen Veränderungen. 3 von dieser Sorte, jetzt wird es gefährlich für mich. Eine neue Strategie muss her. 

Also machte ich mich auf diese kleinen heranwachsenden Biester zu bändigen, zumindest war so der Plan. Mein Militärton spang aus meinen Lippen und zerplatze schon vor meiner Nase. Das war der falsche Weg. Die Sache mit Ignorieren, welcher völlig banale Typ hatte diesen Ideendurchfall mit dem Ignorieren? Stellt euch nur vor, was passiert, wenn du diese überreifen Spermien machen lässt, was sie wollen? Gar nicht auszumalen, welch Katastrophen sich dadurch entwickeln. Kleiner Tipp, nur so am Rande, vergesst das mit dem Ignorieren, das haut nicht hin.

Jetzt machte ich mich schlau, setze mich an den Computer, durchstöberte ein paar Internetforen, ein paar Tipss von ähnlichen Opfern, wie mir, ein paar Hilfestellungen von angeblichen Master der Psychologie und solch Quatsch. Ausprobiert und gewartet. Vielleicht braucht es ja nur Zeit, um zu wirken. Ähnlich, wie die Giftköder für Mäuse. Sie schnappen sich das Zeug, verkriechen sich in ihre Höhle und verrecken bitterlich. Doch diese Nager fraßen das Gift nicht, sie verkrochen sich zwar in ihrer Höhle aber kamen mit einem Duft aus karamellisierten Puma und feuchtem Bärenfell heraus. Auch das anschließende Hineinwerfen von Gegenduftmitteln brachte kein Erfolg.

In einer ruhigen Minute, ich brachte mich gerade in Sicherheit vor weiteren Angriffen dieser Gattung, machte ich mir Gedanken. Der Fernseher lief. Gorillas im dichten Nebel und eine junge Frau, die scheinbar versuchte diese Tiere zu beobachten und zu studieren. Dian Fossey, eine bekannte Zoologin und Verhaltensforscherin brachte mich dann schließlich auf die atemberaubende Idee, diese kleinen Monster zu studieren und mich dann ihnen zu nähern, um sie schließlich mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen. Die Ähnlichkeit der Primaten war ja schon echt beeindruckend.

Jedes Mal, wenn eines dieser Biester aus ihren Höhlen kletterte, versteckte ich mich im sicheren Abstand und beobachtete sie in ihrem Verhalten. Diese Aufgabe schien mir doch anfangs noch sehr unkontrolliert und ohne jeglichen Erfolg, denn beobachte mal das Verhalten von Wesen, deren Verhalten sie selber nicht erklären können. Aber ich blieb dran und kam nach wenigen Monaten schon etwas näher. Ich gewann ihr vertrauen. Ich ahmte diese nach, ich kratze mich, wie sie, am Ohr, oder schnief mit der Nase. Ich ahmte auch die Wortwahl nach. Wörter wie, „Nein, kein Bock“, oder „chill deine Base, Alter“ kamen öfter aus meinen Mundwinkeln. 

Dann kam die Sache mit dem Laufen. Die Gattung der Hominidae taten ihren Beitrag dazu. Aus verhaltensbiologischen Berichten, weiß man, dass der Gang von anfangs gebeugter Haltung bis in die Aufrechte Jahre dauerte. Diese Gattung hatte es aber in wenigen Tagen in Perfektion gebracht ihre Vorahnen in Verhalten und Bewegung wieder neu zu entwickeln – nennt man das vintage oder Retro. Wie dem auch sei. Die Hosen beinkehltief, Löcher am Knie, Gel in den Haaren, so zogen sie los um Gleichgesinnte zu treffen. Ein Paarungsritual?  Ich zog es vor diese Bewegung nicht in mein Repertoir aufzunehmen, mich aber dennoch in die Tiefen der Pubertas zu bewegen. 

Ich tat einfach Dinge, von denen ich keine Ahnung hatte, brachte mich in völlig unkontrollierter Gefahr und zog los, um Gleichgesinnte zu treffen. Die Droge Pubertät funktioniert. Einfach mal sein Hirn ausschalten und machen, ohne Sinn und Verstand. Ein unersättliches Tier nach Abenteuer, Rebellion gegen Moral und Anstand. Ich fand mich auf ca. 100 Meter Höhe abseilend von der Hochofenanlage des Landschaftspark Nord wieder, fiel 50 Meter im freien Fall den Freefall-Tower im Phantasialand hinunter, kletterte in 25 Meter Höhe einen Hochseilgarten ab, wanderte 24 Stunden mit Gleichbekloppte über 100 Kilometer durch Wuppertal, rannte 21,0975 KM um schneller zu sein als andere, verbrachte 10 Tage mit wildfremden Menschen in einem Kleintransporter und fuhr mit ihnen durch den Balkan, und fing an zu schreiben. 

„Nur eine Phase, Hase!“ so betitelte meine Frau diese Spätpubertäte Zeit. Manche nennen es auch Midlife-Crises. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass mein Sohn seine Finger da mit ihm Spiel hat, um es mir mal wieder auszuwischen. Hat er geschafft!

Und ich habe daraus gelernt. Hey, scheiß was auf´s Erwachsen sein, sei einfach mal wieder frei von der moralisch festgeklebten Gesellschaft, sei mal wieder du selbst und spring auch mal im hohen Alter über dein Schatten.

In diesem Sinne, ein Hoch auf die Pubertät, Midlife-Crisis und der Phase, Hase.

Euer Alex

mit diesem Beitrag nehme ich teil an der Blogparade „Das Papa Interview“

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